SuperMeat – kommt jetzt die Revolution an der Fleischtheke? Allgemein

Im Dezember 2015 hat sich ein israelisches Team von Wissenschaftlern ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Sie wollen die Lebensmittelindustrie revolutionieren. Die konventionelle Fleischproduktion soll ein Ende finden und endgültig von der Bildfläche verschwinden. Doch wie genau soll das funktionieren? Wir sind hier ja schließlich nicht im Schlaraffenland, wo die Hühnerkeulen auf Bäumen wachsen und das Schnitzel vom Himmel fällt. Die Antwort ist anscheinend ganz einfach: SuperMeat. Echtes Fleisch, ganz ohne Tierleid, massenhafter Umweltverschmutzung und auch noch günstig. Geht nicht? Geht doch! Ich habe mich für Euch schlau gemacht, das Internet durchforstet und alles Wichtige zu dieser revolutionären Idee zusammengetragen.

 

Was genau ist SuperMeat?

SuperMeat ist 100% echtes Fleisch, kein Ersatzprodukt aus Tofu, Seitan oder Tempeh sondern ganz normales Hühnerfleisch. So wie man es bereits jetzt hundertfach im Supermarkt kaufen kann. Und doch ist es anders. Es wird nämlich ganz ohne Tierleid hergestellt. Kein Tier wird verletzt, ausgebeutet oder gar getötet.

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Wie wird SuperMeat hergestellt?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Für jemanden der nicht Biologie, Biomedizintechnik oder irgendetwas anderes im naturwissenschaftlichen Bereich studiert hat, hört sich das nämlich sehr abenteuerlich und recht kompliziert an. Vereinfacht dargestellt funktioniert das alles aber ungefähr so:

  • Zuerst werden dem Tier, in unserem Fall einem Huhn, durch eine Biopsie einige Zellen entnommen. Dieser Prozess ist für das Tier gänzlich ungefährlich und ungefähr so schmerzhaft, wie wenn man sich an einem Papier schneidet. Außerdem findet das Prozedere pro Tiergattung nur einmal statt, da man die Zellen beliebig oft duplizieren kann.
  • Im nächsten Schritt werden die Zellen vermehrt und wachsen langsam in einer besonderen Flüssigkeit, welche mit Nähstoffen versetzt ist, heran.
    In einem speziell für diesen Zweck ausgelegten Umfeld, das den Körper eines Tieres nachahmt, bildet sich aus den Zellen nach und nach Gewebe.
  • Dieses Gewebe wird dann, in besonderen Kapseln verpackt, an Restaurants, Kantinen und an Privatpersonen ausgeliefert. Hier lässt man das Gewebe in kleinen Bioreaktoren zum Fleisch, also zum Endprodukt, wachsen. Alternativ soll das Fleisch auch schon fertig im Einzelhandel verkauft werden, damit der Kauf des Bioreaktors umgangen werden kann.

Der Herstellungsprozess von SuperMeat

 

Was macht SuperMeat besser als „normal“ gezüchtetes Fleisch?

 

Keine Ausbeutung von Tieren mehr

Die industrielle Fleischproduktion, wie wir sie heute kennen, bedeutet für die sogenannten Nutztiere ein Leben und Sterben voller Leid. Angefangen bei den zu kleinen Ställen, der oftmals mangelnden Hygiene in den Zuchtbetrieben bis hin zu den extrem stressigen Transporten in die Schlachthäuser. Viele dieser Tiere verbringen ihr kurzes Leben unter katastrophalen und unwürdigen Bedingungen. Durch SuperMeat würde dieses Horrorszenario aber endgültig der Vergangenheit angehören, und Fleischkonsumenten könnten trotzdem weiterhin ihre Burger, Steaks und Wurst verzehren. Eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten.

 

Umweltschutz

Ich denke wir wissen alle, was für katastrophale Auswirkungen die Fleischproduktion bzw. die Massentierhaltung auf unsere Umwelt hat. Laut PETA ist die Tierwirtschaft für bis zu 51% der vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich. Dazu kommen außerdem noch der enorme Wasserverbrauch, die horrende Verschwendung von Getreide, die Verschmutzung des Bodens und natürlich die großflächige Abholzung der Wälder. Doch dem könnten dank SuperMeat sogar Fleischesser entgegenwirken. Für die Herstellung von SuperMeat wird laut Hersteller nämlich 99% weniger Anbaufläche benötigt, 96% weniger Wasser verwendet und die verursachten Treibhausgase würden sich um ganze 96% verringern.

 

Gegen den Welthunger und für die Gesundheit

Laut des Herstellers von SuperMeat könnte dieses revolutionäre Produkt sogar den Welthunger besiegen und die Gesundheit der Öffentlichkeit erheblich verbessern. Da das gezüchtete Fleisch erheblich weniger Ressourcen benötigt, kann es, wenn es in großen Stückzahlen produziert wird, für einen deutlich günstigeren Preis als Fleisch aus konventioneller Züchtung hergestellt und verkauft werden. Somit ist es möglich eine größere Menge von Menschen zuverlässig und kostengünstig zu versorgen. Außerdem ist die Herstellung von SuperMeat um einiges genauer kontrollierbar als die derzeitige Produktion von Fleischerzeugnissen. Zum Beispiel können durch die hohen Hygienestandards die Bildung antibiotikaresistenter Keime verhindert und auch das Risiko von Pandemien verringert werden. Außerdem ist der Einsatz von Medikamenten und Wachstumshormonen nicht mehr nötig.

 

Wollen wir wirklich Fleisch aus einem Labor?

Wir können uns heutzutage sicher sein, dass jedes Produkt welches wir konsumieren, auf irgendeine Art und Weise bereits ein Labor von Innen gesehen hat. Sogar Gemüse, Obst und Getreide werden bis heute weiter erforscht und stetig verbessert. Und seien wir ehrlich, die veganen Fleischalternativen, welche wir zuhauf in den Kühlregalen unserer Supermärkte finden, haben das Licht der Welt eben auch in einem ernährungswissenschaftlichen Labor erblickt und nicht auf irgendeinem schönen Feld in Mecklenburg-Vorpommern.
Auch wenn die Idee nicht komplett neu ist (2013 gab es in London den ersten, laborgezüchteten Burger), könnte SuperMeat tatsächlich die Lebensmittelindustrie revolutionieren. Mithilfe ausreichender finanzieller Mittel und einer intensiven Forschung kann dieses Produkt bald in unseren Supermärkten stehen. Ob sich aber Veganer und Vegetarier von Anfang an auf dieses neue Produkt einlassen werden, kann man noch nicht sicher voraussagen. Selbst wenn es sich um Fleisch handelt, welches ohne das Töten eines Tieres hergestellt wurde, finden doch viele von uns Veganern und Vegetariern allein den Gedanken an den Konsum von Fleisch eher unappetitlich. Ich selbst habe in einem veganen New Yorker Restaurant ein Gericht mit Mock Duck an meinen Mann weitergereicht, weil es mir schlicht und einfach zu realistisch geschmeckt hat. Die Bilder welche ich im Laufe meines Lebens gesehen habe und die Erinnerung an das damit verbundene Leid sind konsequent mit dem Geschmack von Fleisch verbunden. Ob ich diese Verbindung jemals wieder loswerde, kann ich heute noch nicht sagen.Jedoch halte ich das Produkt für eine großartige Chance für Menschen, welche auf den Konsum von Fleischprodukten nicht verzichten wollen. Es bietet ihnen die Möglichkeit, auf eine gesündere, nachhaltigere Art und Weise in den Genuss von Fleisch zu kommen und trotzdem keinem Lebewesen zu schaden.

Aber wann und wie schnell könnte sich dieses Produkt tatsächlich durchsetzen? Der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier und Veränderungen brauchen manchmal um einiges länger als uns lieb ist. Andererseits hätte sich vor fünfzig Jahren wohl auch niemand vorstellen können, dass im Jahr 2016 laut VEBU 7,75 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig auf Fleisch verzichten würden. Vor allem wurden vor nicht allzu langer Zeit Vegetarier und vor allem Veganer noch als Spinner, verrückte Esoteriker und Ökoterroristen abgestempelt. Wenn man aber einmal auf die vergangenen Jahre zurückblickt, kann man einen deutlichen Wandel der Gesellschaft in Bezug auf Ernährung, Umwelt- und Tierschutz feststellen. Wir haben sicherlich noch viele Aufgaben vor uns und werden der ein oder anderen Herausforderung ins Auge blicken müssen. Erfindungen wie SuperMeat und die Entscheidung, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen, werden uns die Reise in eine grünere Zukunft aber definitiv erleichtern.

 

Ihr wollt noch mehr über SuperMeat erfahren oder dieses Projekt unterstützen? Alle Infos, Links und Social Media-Kanäle findet ihr hier.

 

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